Blog

Demenz verstehen – Teil 1

Demenz ist eine der häufigsten Erkrankungen im Alter und betrifft nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch ihr Umfeld und alle, die sie begleiten. Für Alltagsbegleiter*innen ist es besonders wichtig, erste Anzeichen frühzeitig zu erkennen und angemessen damit umzugehen. Denn je eher Veränderungen wahrgenommen werden, desto besser können Hilfsangebote greifen.

Inhaltsverzeichnis


Warnsignale richtig deuten und reagieren

Demenz entwickelt sich oft schleichend – erste Anzeichen werden leicht übersehen oder als normale Alterserscheinungen abgetan. Doch je früher Angehörige und Alltagsbegleiter*innen die Warnsignale erkennen, desto besser können sie reagieren und passende Unterstützung organisieren. In diesem Beitrag erfährst Du, welche typischen Symptome auf eine Demenz hindeuten, wie sich Denken, Fühlen und Verhalten verändern und welche ersten Schritte im Alltag helfen können.


Was ist Demenz?

Demenz ist kein einheitliches Krankheitsbild, sondern ein Sammelbegriff für verschiedene Erkrankungen, die mit einem fortschreitenden Abbau von Gehirnfunktionen verbunden sind. Es gibt über 50 Formen von Demenz – die häufigste ist die Alzheimer-Demenz, gefolgt von vaskulären Demenzen und Mischformen.
Wichtig ist: Normale Altersvergesslichkeit ist nicht automatisch Demenz. Während es im Alter normal sein kann, Namen oder Termine zu verwechseln, betrifft Demenz das gesamte Denken, Handeln und Fühlen. Betroffene verlieren nach und nach Fähigkeiten, die sie für ein selbstständiges Leben brauchen. Katharina Gross hat dafür einen guten Vergleich: Wenn Vergesslichkeit wie ein Muskelkater ist – unangenehm, aber vorübergehend –, dann sind kognitive Veränderungen bei einer Demenz vergleichbar mit einer Amputation: Es fehlt etwas Grundlegendes, das nicht mehr zurückkehrt. Während der Muskelkater heilt, bleibt die Einschränkung durch die Demenz bestehen und verändert das ganze Leben.


Wenn Demenz den Alltag verändert

Demenz ist eine der häufigsten Erkrankungen im Alter und betrifft nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch ihr Umfeld und alle, die sie begleiten. Für Alltagsbegleiter*innen ist es besonders wichtig, erste Anzeichen frühzeitig zu erkennen und angemessen damit umzugehen. Denn je eher Veränderungen wahrgenommen werden, desto besser können Hilfsangebote greifen.


Erste Warnsignale einer Demenz

Die Symptome einer Demenz entwickeln sich meist schleichend. Häufig sind sie zu Beginn schwer von normalen altersbedingten Veränderungen zu unterscheiden. Dennoch gibt es typische Warnzeichen, die Alltagsbegleiter*innen im Blick behalten sollten.
Oft zeigen sich zunächst Gedächtnisstörungen. Termine, Gespräche oder vertraute Abläufe geraten immer häufiger in Vergessenheit. Ein weiteres Anzeichen sind Orientierungsschwierigkeiten – Betroffene verlieren sich in eigentlich vertrauter Umgebung oder wissen nicht mehr, welches Datum oder welcher Wochentag gerade ist. Auch Sprachprobleme treten auf: einfache Wörter fallen nicht mehr ein, Sätze bleiben unvollständig oder es werden falsche Begriffe genutzt.

Neben diesen kognitiven Symptomen sind es oft auch Veränderungen im Verhalten, die auffallen. Manche Betroffene ziehen sich zurück, andere reagieren gereizt oder misstrauisch. Schließlich kann es zu Problemen im Alltag kommen: Einkäufe werden vergessen, Rechnungen nicht bezahlt oder beim Kochen entstehen Fehler, die zuvor nie aufgetreten sind.


Warum frühes Erkennen so wichtig ist

Je eher eine Demenz erkannt wird, desto besser können Unterstützungsangebote aufgebaut werden – für die Betroffenen ebenso wie für die Angehörigen. Alltagsbegleiter*innen nehmen hier eine Schlüsselrolle ein: Sie sind nah am Alltag der Menschen und können kleinste Veränderungen oft zuerst bemerken. Wichtig ist, die Beobachtungen nicht zu dramatisieren, sondern sensibel einzuordnen und weiterzugeben.


Auswirkungen auf Denken, Fühlen und Verhalten

Demenz betrifft nicht nur das Gedächtnis. Das gesamte Erleben verändert sich: Betroffene können Informationen schwerer verarbeiten, fühlen sich schneller überfordert und verlieren an Sicherheit im Alltag. Gefühle wie Angst, Scham oder Misstrauen sind häufige Begleiter. Das Verhalten passt sich diesen inneren Empfindungen an – etwa durch Rückzug oder übersteigerte Reaktionen.

Für Alltagsbegleiter*innen bedeutet das: Verständnis für die veränderte Wahrnehmung zu entwickeln. Wer die inneren Prozesse besser nachvollziehen kann, reagiert weniger frustriert und schafft mehr Sicherheit für die Betroffenen.


Richtig reagieren als Alltagsbegleiter*in

Wer mit demenziell veränderten Menschen arbeitet, braucht Geduld und Einfühlungsvermögen. Besonders hilfreich sind folgende Strategien:

  • Empathisch begleiten: Kritik oder Korrekturen verschärfen Unsicherheit. Verständnis und Geduld helfen weiter.
  • Beobachten und dokumentieren: Auffälligkeiten sollten notiert werden. So können Entwicklungen besser nachvollzogen und Angehörige oder Fachkräfte gezielt informiert werden.
  • Gespräche suchen: Angehörige können oft bestätigen, ob es ähnliche Beobachtungen gibt. Wichtig ist, behutsam vorzugehen und keine Vorwürfe zu machen.
  • Struktur schaffen: Feste Abläufe und vertraute Umgebungen geben Sicherheit.
  • Unterstützung anbieten: Hilfen im Alltag sollten sich am tatsächlichen Bedarf orientieren – so viel Unterstützung wie nötig, aber so viel Eigenständigkeit wie möglich.

Fazit: Alltagsbegleiter*innen als wichtige Stütze

Demenz frühzeitig zu erkennen, erfordert Aufmerksamkeit, Erfahrung und eine sensible Haltung. Alltagsbegleiter*innen haben durch ihre Nähe zum Alltag der Betroffenen die Möglichkeit, Veränderungen wahrzunehmen und gleichzeitig unterstützend einzugreifen. Mit Geduld, offener Kommunikation und einer klaren Dokumentation können sie wesentlich dazu beitragen, dass Betroffene würdevoll begleitet werden – und Angehörige die Entlastung bekommen, die sie dringend brauchen. Wichtig ist, die Betroffenen ernst zu nehmen, ihre Gefühle zu respektieren und den Alltag so zu gestalten, dass Sicherheit und Orientierung möglich bleiben.


🧾 Infobox: Aktuelle Zahlen & Prognosen zu Demenz in Deutschland

ThemaDaten / Fakten
Aktuelle Zahl der Betroffenen (2023/2024)Rund 1,84 Millionen Menschen in Deutschland leben derzeit mit einer Demenzerkrankung.
Jährliche NeuerkrankungenIm Jahr 2023 wurden zwischen 364.000 und 445.000 Neuerkrankungen registriert.
Prognose bis 2050 (65+ Jahre)Erwartet werden bis zu 2,3 bis 2,7 Millionen Betroffene über 65 Jahre.
Personen unter 65 JahrenEtwa 6 % der Menschen mit Demenz sind jünger als 65 Jahre – ca. 106.000 Betroffene.
Geografische UnterschiedeAnteil variiert: Hamburg/Berlin < 1,8 %, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen > 2,4 %.
Bekannte beeinflussbare RisikofaktorenEs sind 14 Risikofaktoren identifiziert, die durch Prävention beeinflusst werden können.
Bedeutung für Angehörige / PflegesystemAngehörige übernehmen den größten Teil der Versorgung – das Pflegesystem stößt an Belastungsgrenzen.

Quelle: Deutsche Alzheimer Gesellschaft


Ausblick

Im nächsten Beitrag der Minireihe vertiefen wir die Frage „Was ist Demenz?“ und beleuchten, welche kognitiven Leistungen im Verlauf einer Demenz schrittweise verloren gehen. Dabei werden die verschiedenen Funktionsbereiche – von Gedächtnis und Sprache über Aufmerksamkeit und Orientierung bis hin zu exekutiven Fähigkeiten – systematisch eingeordnet und klassifiziert. Ziel ist es, Alltagsbegleiter*innen ein differenziertes Verständnis der kognitiven Veränderungen zu vermitteln, um die Beobachtungen im Alltag präziser einordnen und gezielter reagieren zu können.


Kontakt & Fragen

Hast Du konkrete Fragen zu einzelnen Fällen, zur Begleitung von Menschen mit Demenz, zu verwandten Themen oder hast Du Angehörige, die Beratung brauchen? Gerne kannst Du dich direkt an Katharina wenden. Sie nimmt sich Zeit für deine Anliegen und beantworte deine Fragen vertraulich und praxisnah.

👉 Email an Katharina Gross